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Geh' mit keinem Fremden mit!

Nutzt dieser Rat dem Kind überhaupt etwas, wenn doch in den meisten Fällen (72,8 %, Quelle: Kriminalstatistik NRW 2008) der Täter dem Opfer bekannt  und somit gar kein Fremder ist?
Warum ist das so, und wieso können die Eltern dies dann nicht verhindern?

Die Kinder knüpfen schnell Kontakte. Sie sehen einen Menschen, den sie wenige male gesehen oder gesprochen haben nicht mehr als Fremden an, z.B. den Hausmeister im Sportverein. Dies macht es dem Täter leicht, sich Zugang zu einem Kind zu verschaffen. Und wenn sich dann auch noch die Mutter mit der Person einmal nett unterhalten hat, wie soll das Kind dann ahnen, dass es kein lieber, netter Mensch ist?
Wie soll ein Kind auch erkennen können, wer böse ist und wer nicht, wenn doch auch wir Eltern dies oft gar nicht beurteilen können?
Wir Eltern wüssten in einer Situation sofort, wie das Kind sich verhal-ten müsste, aber wie können wir das dem Kind erklären, wenn wir die Situation nicht vorhersehen können und wir die Person möglicher weise nicht einmal kennen? 
Für das Kind ist es jedoch wichtig, dass es sich in einer kritischen Si-tuation sofort richtig entscheidet und sich rechtzeitig (sofort) ab-grenzt.

  --> Deshalb benötigen die Kinder Begleitpersonen!

Begleitpersonen sind Personen, mit denen ein Kind immer mitgehen darf, auch ohne die Eltern vorher zu fragen. Ansonsten darf das Kind immer nur nach vorheriger Absprache mit einer Person mitgehen. 

Die vorherige Absprache sollte immer nur zwischen dem Kind und den Eltern (Erziehungsberechtigten) direkt statt finden.
IBS empfiehlt für Vorschulkinder, dass die Eltern im ca. letzten halben Jahr vor der Einschulung kurzfristige Absprachen, die durch einen Telefonanruf in der Kita vorgenommen werden, immer dem Kind persönlich am Telefon mit zu teilen. Kinder gewöhnen sich daran, dass die Erzieherin sagt: "Deine Mama hat angerufen, du wirst von ... mitgenommen".
In der Schule sind die Lehrkräfte insbesondere zu Beginn für die Kinder nicht überschaubar. Wenn dann auf dem Schulhof eine Person sich als Lehrer-in ausgibt und sagt: "Deine Mama steht im Stau, ich soll dich kurz mit nach Hause nehmen", könnte das Kind dies glauben.  


Begleitpersonen sind nur für Notfälle (Ausnahmen) gedacht. Das Kind muss in jeder Situation schnell entscheiden können, ob es mitgehen darf, oder nicht. Deshalb empfiehlt IBS für Vorschulkinder maximal 3, für  Grundschulkinder maximal 5 Begleitpersonen. Sämtliche Vertrauenspersonen, die das Kind immer nur nach vorheriger Absprache mit nehmen, müssen keine Begleitpersonen sein. Je nach Freundschaf-ten, Freizeitaktivitäten, Nachbarschaft etc. können auch die Begleitpersonen wechseln. Deshalb sollten Eltern diese regelmäßig mit den Kindern absprechen.

Auch Teenies, die eine kritische Situation schon recht gut einschätzen können, sollten mit ihren Eltern Begleitpersonen bestimmen.
Damit es für ein Kind, egal welchen Alters, selbstverständlich ist, den Eltern immer bescheid zu sagen, wann es wo ist und mit wem es mitgeht, raten wir Eltern, dies dem Kind einfach vor zu leben. Wenn Sie ihrem Kind auch immer bescheid sagen, wann sie z. B. nach Hause kommen, und es informieren, wenn Sie sich verspäten, dann wird das Kind sich höchst wahrscheinlich genauso verhalten.   

So erklärt die IBS-Trainerin den Kindern, was Begleitpersonen sind:
"Deine Eltern müssen immer wissen, wo du bist. 
Deshalb darfst du ohne vorherige Absprache nur mit deinen Begleit-personen mitgehen."

Dies wird den Kindern an folgendem Beispiel verdeutlicht:
"Deine Nachbarin holt ausnahmsweise ihr Kind von der Schule ab, weil es stark regnet. Freundlicherweise nimmt sie dich gleich mit. Die Mama kommt aber auf die gleiche Idee und ihr verpasst euch. Da sie nicht bescheid weiß, sucht sie dich in der Schule und macht sich große Sorgen, weil sie dich nicht finden kann. Während dessen stehst du zu Hause vor verschlossener Tür und wirst auch noch nass."

Den Kindern wird sofort klar, dass es nicht richtig war, mit der netten, hilfsbereiten Nachbarin mit zu fahren, ohne die Eltern vorher zu fragen.